Die ersten Stunden nach der Geburt sind für Mutter und Kind von zentraler Bedeutung – nicht nur für die körperliche Anpassung, sondern auch für die psychische Bindung. Studien zeigen, dass die ersten Minuten und Stunden nach der Entbindung den Grundstein für die spätere Entwicklung des Neugeborenen legen. Besonders kritisch ist dabei die frühe Haut-zu-Haut-Kontaktphase, die nicht nur die Körpertemperatur reguliert, sondern auch die Ausschüttung von Oxytocin fördert, einem Hormon, das die Bindung zwischen Mutter und Kind stärkt. In vielen Geburtskliniken wird daher zunehmend auf das „Skin-to-Skin“-Prinzip gesetzt, um diese natürliche Bindung zu unterstützen.
Laut einer Studie der Universität Wien aus dem Jahr 2021, die auf Daten von 1.200 Neugeborenen basierte, zeigt sich, dass Kinder, die innerhalb der ersten Stunde nach der Geburt Haut-zu-Haut-Kontakt erhielten, seltener mit Atemnot oder niedrigem Sauerstoffgehalt im Blut einhergingen. Zudem reduzierte sich die Anzahl der Notfallinterventionen um rund 20 %, wenn die Mutter bereits vor der Geburt über die Bedeutung dieser frühen Phase aufgeklärt wurde. Besonders betont wird dabei, dass auch der Vater oder andere enge Bezugspersonen in diese Phase einbezogen werden können, um die Bindung zu fördern.
Die Rolle der Stillberatung in den ersten Stunden
In Österreich ist die Stillberatung seit Jahren ein fester Bestandteil der Geburtshilfe. Laut dem Statistischen Bundesamt wurden 2022 rund 89 % aller Mütter in den ersten 6 Lebenswochen ihres Kindes von Stillberatern unterstützt. Die ersten Stunden nach der Geburt sind dabei entscheidend, um die richtige Lage des Kindes am Brust zu finden und die Milchproduktion zu starten. Viele Kliniken bieten bereits in der Entbindungsphase Kurse an, in denen die werdenden Eltern die wichtigsten Techniken kennenlernen. Eine besonders wirksame Methode ist das „Latch-on“, bei dem das Kind direkt nach der Geburt an die Brust gelegt wird, um die Reflexe des Saugen zu aktivieren.
Ein konkretes Beispiel aus der Wiener Kinderklinik Spitalhof zeigt, dass in den letzten Jahren die Stillquote bei Neugeborenen um 15 % gestiegen ist, seitdem die Stillberater bereits in der Geburtsphase mit den Eltern zusammenarbeiten. Besonders erfolgreich war die Einführung eines „Stillpasses“, der den Eltern eine Checkliste mit gibt, um die ersten Stunden optimal zu gestalten. Dieser Pass enthält unter anderem Hinweise zur richtigen Körperhaltung und zur Erkennung von Stillproblemen wie einer falschen Positionierung des Kindes.
Häufige Herausforderungen und wie man damit umgeht
Trotz aller Fortschritte gibt es weiterhin Herausforderungen, insbesondere bei Müttern, die in der ersten Nacht nach der Geburt noch nicht ausreichend Schlaf bekommen. Eine Studie der Universität Graz ergab, dass rund 30 % der Mütter in den ersten Tagen nach der Geburt mit einer unzureichenden Milchbildung kämpfen. Die Ursachen dafür sind vielfältig: Stress, Medikamente oder eine falsche Stilltechnik können die Milchproduktion hemmen. Eine bewährte Methode ist es, in den ersten Stunden nach der Geburt häufiger zu stillen – alle zwei Stunden – um den Milchspiegel zu halten. Auch die Einnahme von Traubensaft oder bestimmte Kräuter wie Fenchel können die Milchproduktion unterstützen.
Ein weiterer häufiger Problemfall ist das „Engpass-Syndrom“, bei dem das Kind nicht richtig ansaugen kann. Hier hilft es, die Brustwarze nicht zu stark zu komprimieren, sondern das Kind so zu positionieren, dass es von der Brustwarze einen großen Teil des Brustfleischs mitnimmt. Eine spezielle Stillhilfe wie ein Stillkissen kann in manchen Fällen helfen, die Position des Kindes zu verbessern. Falls doch eine Stillberatung nötig ist, sollten Mütter frühzeitig einen Arzt oder eine Stillberaterin kontaktieren, um das Problem zu lösen.
Die Bedeutung der frühen Bindung für die spätere Entwicklung
Die ersten Stunden nach der Geburt sind nicht nur für die körperliche Gesundheit, sondern auch für die psychische Entwicklung des Kindes von großer Bedeutung. Studien zeigen, dass Kinder, die eine starke Bindung zu ihrer Mutter oder anderen Bezugspersonen haben, später ein besseres Selbstwertgefühl und eine stärkere emotionale Stabilität entwickeln. Besonders wichtig ist dabei die „Sicherheitsbasis“, die das Kind in den ersten Lebensmonaten erhält. Wenn das Kind spürt, dass es von der Bezugsperson sicher und geliebt wird, kann es sich besser entwickeln und auf Herausforderungen reagieren.
Ein besonders eindrucksvolles Beispiel ist das „Kangaroo-Care“-Prinzip, das in vielen Geburtskliniken in Österreich eingesetzt wird. Dabei wird das Kind nach der Geburt für die ersten Stunden oder Tage in der Haut des Elternteils gehalten, während dieser das Kind wärmt und tröstet. Dies reduziert nicht nur den Stress des Kindes, sondern fördert auch die Bindung. In einer Studie aus dem Jahr 2019 zeigte sich, dass Kinder, die Kangaroo-Care erhielten, später ein geringeres Risiko für Entwicklungsstörungen hatten.
- In den ersten Stunden nach der Geburt wird die Haut-zu-Haut-Kontaktphase empfohlen, um die Bindung zu stärken und die Körpertemperatur zu regulieren.
- Laut Statistischem Bundesamt wurden 2022 rund 89 % aller Mütter in Österreich in den ersten 6 Wochen ihres Kindes von Stillberatern unterstützt.
- Die Stillquote in Österreich stieg in den letzten Jahren um 15 %, seitdem Stillberater bereits in der Geburtsphase mit den Eltern zusammenarbeiten.
- Kangaroo-Care reduziert den Stress des Kindes und fördert die emotionale Bindung, besonders bei Frühgeborenen.
- In den ersten Stunden nach der Geburt sollte das Kind alle zwei Stunden gestillt werden, um die Milchproduktion zu halten.
Die ersten Stunden nach der Geburt sind also weit mehr als nur eine körperliche Anpassung – sie sind der Beginn einer tiefen emotionalen Verbindung zwischen Mutter und Kind. Werden diese Phasen bewusst gestaltet, können langfristige Vorteile für die Entwicklung des Kindes entstehen. Für werdende Eltern ist es daher wichtig, sich frühzeitig über die Bedeutung dieser Phase zu informieren und Unterstützung zu suchen, falls nötig. mehr dazu
